Grafschafter Modell- und Eisenbahn-Club e.V.

Die Geschichten des Bahnbetriebswerks Neuenhaus

Wie der Grafschafter Modell- und Eisenbahn-Club zu einem Bahnbetriebswerk gekommen ist

Als im Jahre 1896 die Bentheimer Kreisbahn (ab 1925 Bentheimer Eisenbahn) den Betrieb aufnahm, war Neuenhaus der Endpunkt dieser 28,2 km langen Strecke von Bentheim in die Niedergrafschaft.

Historisches Bahnbetriebswerk Neuenhaus

Das historische Bahnbetriebswerk Neuenhaus zu Dampflokzeiten

Zur Wartung der 3 Lokomotiven, 3 Personenwagen und 19 Güterwagen wurden in Neuenhaus ein Lokschuppen mit zwei Ständen und ein Werkstattanbau mit einem Stand errichtet. In der Folgezeit übertraf das Verkehrsaufkommen die Erwartungen. Die Werkstattkapazität wurde den gestiegenen Anforderungen zunächst nicht angepasst.

Die Streckenverlängerungen von Bentheim nach Gronau im Jahre 1908 und die von Neuenhaus nach Coevorden im Jahre 1910 erforderten ebenfalls eine erhebliche Ausweitung der Fahrzeugparks.

Der Ausbruch des ersten Weltkriegs im Jahre 1914 mit seinen Folgen führte dazu, dass dringend erforderliche Investitionen unterblieben. In der Folge fuhr die Bentheimer Kreisbahn tief in die roten Zahlen. Um das kreiseigene Unternehmen zu retten, setzte nun der Kreistag einen neuen Direktor ein. Der sollte dem Unternehmen neuen Schwung geben.

Obwohl aus betrieblicher Sicht die Ausweitung und gleichzeitige Verlagerung der Werkstatt nach Bentheim sinnvoll gewesen wäre, wurde aus Kostengründen auf die Verlagerung verzichtet. In Neuenhaus waren die benötigten Arbeitskräfte und Flächen ungleich günstiger als in Bentheim zu bekommen. Aus diesem Grund entstand ab 1923 in Neuenhaus ein, nach modernsten Gesichtspunkten geplantes und für Privatbahnverhältnisse riesiges Bahnbetriebswerk. Das brauchte Vergleiche mit Betriebswerken der Staatsbahn nicht zu scheuen.
 

Bahnbetriebswerk Neuenhaus

Ansicht des Bahnbetriesbwerks von den Gleisen aus, als die Wohnung und das Büro- und Sozialgebäude noch vorhanden war.

Es wurde eine Lokomotivwerkstatt mit zwei Reparaturständen und eine einständige Wagenwerkstatt errichtet. Daran schloss ein Magazingebäude mit Büro-, Sozialräumen und einer Wohnung an.

Zum Abstellen der Lokomotiven wurde ein sechsständiger Ringlokschuppen mit einer 16 m Drehscheibe gebaut. Abgeschlossen wurden diese Umbauarbeiten des Neuenhauser Bahnhofs 1927 mit dem Bau eines Stellwerks in der Mitte des Bahnhofs. Das Stellwerk verlor 1958 seine Funktion. Es wurde in das neu errichtete Empfangsgebäude des Bahnhofs integriert. 1996 wurde auch dieses Stellwerk stillgelegt. Der Stellwerksraum mit Hebelbank sind aber bis heute erhalten. Allerdings ist die gesamten Steuerung der Weichen mit Stellgewichten und Seilzügen abgebaut. Die Weichen werden beim Rangieren durch einen Rangierer manuell umgelegt.

Die 16 m Drehscheibe wurde 1952 durch die heutige 15 m Drehscheibe ersetzt. 1960 wurde der Ringlokschuppen um einen 7. Stand erweitert.

Der Verkehrsrückgang in den siebziger Jahren und umfangreiche Rationalisierungsmaßnahmen führten dazu, dass ab 1980 einige, für den Betrieb nicht mehr erforderliche Gebäude abgerissen wurden und die verbliebenen Gebäude ihr heutiges Aussehen erhielten.

Stellwerk NeuenhausAls Erstes wurde das über zwanzig Jahren leer stehende Stellwerk abgerissen. Es folgten die Tischlerei, der Ölkeller zwischen Ringlokschuppen und Wagenwerkstatt, dann der Wasserturm und zum Schluss das Sozialgebäude.

Die beiden äusseren Stände des Ringlokschuppens wurden umgebaut und sind seitdem nicht mehr befahrbar und werden als Lager- und Werkstattraum genutzt.

Als 1997 in Nordhorn der neu erbaute Betriebshof seinen Dienst aufnahm, wurde die gesamte Werkstatt nach Nordhorn verlagert.

Nun waren auch die verbliebenen Gebäude akut vom Abriss bedroht.

Nach vielen Verhandlungen mit den zuständigen Stellen ist es dem Grafschafter Modell- und Eisenbahn-Club e.V. gelungen, die Gebäude zu übernehmen.

Seit der Gründung im Jahre 1969 ist der Graf MEC e.V.der Bentheimer Eisenbahn AG freundschaftlich verbunden. Schwerpunkt der Vereinstätigkeit war bis dahin die Modelleisenbahn.

Mit der Übernahme des Betriebswerkes Neuenhaus jedoch änderte sich die Vereinstätigkeit grundlegend. Beschränkte sich ursprünglich die Beschäftigung mit dem Vorbild auf die traditionellen Nikolausfahrten in der Vorweihnachtszeit und die Pflege des dafür erforderlichen Wagenmaterials, so steht die "große Eisenbahn" heute im Mittelpunkt.

Einbau der Tote durch Mitglieder der Graf MECViele neue und vorher unbekannte Aufgaben waren und sind von den Vereinsmitgliedern zu leisten. Schwerpunkt der Tätigkeiten in den letzten Jahren waren der Erhalt der übernommenen und teilweise schlechten Bausubstanz.

Beispielhaft mögen hier die Erneuerung der Lokschuppentore, die Neueindeckung fast aller Dächer, die Neuverglasung der Lichtbänder in Werkstatt und Lackierhalle, Pflasterung des BW Geländes gelten.

Leider ist in diesem Zusammenhang zu vermelden, dass allein die Beseitigung der durch Vandalismus entstandenen Schäden einen enormen Aufwand an Geld und Arbeitszeit erforderte und immer wieder erfordert. So wurden im Lokschuppen weit über 250 (!) Scheiben durch Steinewerfer zerstört.

All das wird aber die Aktiven des Graf MEC e.V. nicht davon abhalten, weiter zielstrebig am Ausbau des Eisenbahnmuseums zu arbeiten.

Text: © 2007 Herbert Raben, Neuenhaus-Veldhausen
Bilder: © Graf MEC - Archiv